Maskerade

Du suchst nach der Wut
Ihre Augen voll Gier
Was währt, das wird gut
Du hasst dich dafür

Wenn sich Gesichter verzerren
in krampfhaftem Lächeln
Wo sie Stumpfsinn verehren
Und Dogmen nachhecheln

Wenn Ängste sie schüren
Die dienlich dem Ganzen
Das Banale sie küren
Und rütteln die Lanzen

Dann stehst du dazwischen
Und kannst nicht hinaus
Suchst Dreck zu verwischen
Doch besteht er woraus?

Vom Spott schon zerschlissen
Erhellst du den Tag
Pamphlete zerrissen
Stolz, wer zu trotzen vermag

– Tales

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Die Wartenden

Weiß glüht Unverständnis
Frisst sich kalt in die Leiber der Wartenden

Diffuses Unbehagen – wie kalter Wind auf blanker Haut.
Wer wagt es, wahrzunehmen?

Wer sieht hin, wo es noch dunkler wird
Statt sich an blassen deutbaren Konturen in erdrückender Sicherheit zu wiegen?

Wer getraut sich, sich zu sehnen – auf das es nicht zur Sucht werde
Sehnsucht

Sie getrauen sich nicht zu hoffen
oder auch nur zu fragen: Worauf?

Jeder Versuch, zu vertehen – vergeblich
Sie wissen ja doch nicht: Was?

Vergehen ohne gegangen zu sein
Verwehen und trotzdem gefangen zu sein

Weiß glüht Unverständnis
Frisst sich kalt in die Leiber der Wartenden

– Tales

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Der Metzger muss nachsitzen – Thomas Raab

Der Metzger. Hinter diesem brutal anmutenden Namen steckt ein wunderbar sympathischer, etwas schräger aber höchst intelligenter „Anti“-Held, der durchs Leben und dabei über Leichen und Lösungen stolpert.
Die Gedanken und Lebensbetrachtungen des W.A. Metzger sind so spannend und anrührig zu lesen, dass der Krimiplot eigentlich zweitrangig wird. Was auch gut ist. Denn teilweise verliert man in der Aneinanderreihung von Namen und der Beschreibung darüber, wer wem wann was angetan hat, ein wenig den Überblick. Zumindest im ersten Drittel des Romans. Mit der Zeit wird dem Leser dann klarer, welcher von Metzgers ehemaligen Mitschülern, wer ist und mit wem er in Zusammenhang steht. Die Auflösung des Kriminalfalls ist auch recht unterhaltsam. Aber darum geht es in diesem Roman eigentlich nicht.
Wer einen spannenden Krimi lesen möchte, dem ist „Der Metzger muss nachsitzen“ nur eingeschränkt zu empfehlen. Denn da gibt es sicher spannendere Plots. Wer aber einen unheimlich sympthischen Protagonisten dabei begleiten möchte, wie dem das Leben passiert und sich dabei noch auf angenehme (wenn auch zum Teil aufrdingliche Art) Denkanstöße holen möchte, dem sei dieser Roman herzlich empfohlen!
Die Sprache des Autors finde ich im Grunde sehr ansprechend. Jedoch wirkt sie zum Teil ein wenig übersteuert. Der Autor scheint bemüht, seine literarische Kunstfertigkeit in jeden einzelnen Satz einfließen zu lassen. Das stört den Lesefluss vor allem zu Anfang des Romans und wirkt ein wenig gestelzt.

Deswegen und weil man den einen oder anderen gesellschaftlichen Seitenhieb etwas subtiler hätte einfließen lassen können, ziehe ich in der Bewertung einen Punkt ab. Den einen oder anderen Rechtschreib- bzw Interpunktionsfehler kann man verschmerzen. Ein Fehler hat mir aber doch die sprichwörtlichen Zehennägel aufgestellt: „Halbweise“ statt „Halbwaise“ ist schon sehr böse! Aber ich gehe einfach einmal von einem schlichten Tippfehler aus und „verzeihe“ angesichts des sonst gekonnten Umgangs mit der Sprache auch das 🙂

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Der gute Psychologe – Noam Shpancer

Gleich vorweg: Das Thema Psychologie/Psychotherapie interessiert mich naturgemäß sehr. Ich arbeite selbst in einem psychiatrischen Krankenhaus und bin dzt in Ausbildung zur Psychotherapeutin. Fachlich gibt es an diesem Roman wenig auszusetzen. Es werden die gängigsten psychologischen Theorien gut und beispielhaft beschrieben.

Weshalb mich der Roman trotzdem nicht für sich einnehmen konnte: Leider war mir der Protagonist nicht sonderlich symphatisch. Offenbar ist der Autor kein Befürworter Freud’scher Thesen. Auch das ist für mich in Ordnung, denn auch ich kann mich mit dem Großteil der psychoanalytischen Theorien Freuds nicht identifizieren. Jedoch wird hier eine Meinung auf derart abgehobene und überhebliche Art vermittelt, dass ich mich phasenweise richtiggehend geärgert habe über die Anmaßungen, die sich der Autor hier herausnimmt.

Inhaltlich gibt der Roman auch wenig her. Im Grunde passiert nichts. Noam Shpancer hat mit „Der gute Psychologe“ seine Theorien und Erfahrungen in das durchsichtige Mäntelchen eines Romans gepackt. Wenig Spannung, wenig Tiefgang. Schade.

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Sieben Seiten der Wahrheit – Elliot Perlman

Die erzählte Geschichte dreht sich um ein „Schlüsselereignis“. Simon, arbeitsloser Lehrer und sensibler, weltverdrossener und hochintelligenter aber depressiver Verzweiflungstrinker entführt für ein paar Stunden den Sohn seiner Ex-Freundin. Diese Ex-Freundin hat er seit nunmehr 10 Jahren nicht mehr gesehen und auf seine hochsensible und teilweise psychopathologische Art idealisiert er sie immer noch. Seine unverloschene Liebe zu ihr steht im Mittelpunkt seines Leidens.

In dem Roman werden sieben verschiedene Perspektiven dargestellt im Zuge derer der Plot geschickt vorangetrieben wird. Das heißt, es wird nicht ein und derselbe Zeitraum aus verschiedenen Perspektiven beschrieben, sondern die Handlung nimmt ihren Lauf während gleichzeitig Einblicke in die Vergangenheit und die psychologisch/soziale Struktur der handelnden Personen offenbart werden.

Einen Protagonisten kann man trotzdem ganz klar ausmachen. Das ist Simon. Der sensible Intellektuelle, der an der Welt verzweifelt. Wenn man mit Simons Art zu denken und die Welt zu sehen, etwas anfangen kann (so wie ich), gerät man zum Teil in Gefahr, ihn als Mensch so zu idealisieren, wie er es mit Anna (seiner Ex) tut. Während der Kapitel, in denen er selbst oder Angela (die ihn unerwiderterweise verehrt und liebt) zu Wort kommen, ist man als Leser versucht, ihn als (Anti-)Held zu verehren und als Opfer der bösen, ihn nicht verstehenden Welt ins Herz zu schließen.

Trotzdem oder gerade deswegen, ist es spannend, wie Perlman es schafft, seinem Protagonisten etwas von diesem hochidealisierten Glanz zu nehmen, indem er die Perspektive nur teilweise beteiligter „Dritter“ präsentiert. Am Ende ist Simon nur mehr ein Mensch. Ein charismatischer, hochintelligenter und sensibler Mensch zwar. Einer, von denen man sich wünscht, es gäbe mehr davon. Aber auch einer, der die vielzitierten Ecken und Kanten aufweist. Einer, der das Leben anderer (wenn auch nicht primär willentlich) negativ beeinflusst. Einer, den man trotzdem gern hat. Und nicht mehr uneingeschränkt deswegen.

Elliot Perlman rangiert in der Liste meiner Lieblingsautoren derzeit auf einem der ersten drei Plätze. Er ist nicht einfach ein Romanautor. Er schreibt nicht einfach Geschichten. Er schreibt Geschichte. Und Politik. Und Psychologie und Philosophie. Er verpackt diese Themen in umfangreiche Plots, die an Spannung schwer zu überbieten sind und formuliert dieses hochintelligente Gesamtpacket literarische erstklassig!

All das hat er schon bei seinem Roman „Tonspuren“ gemacht. „Sieben Seiten der Wahrheit“ erschien vor „Tonspuren“ und wurde von den meisten Kritikern zwar gelobt aber im Vergleich zum Vorgänger, den ich hier gerade rezensiere, in den Schatten gestellt. Abschließend muss ich sagen, für meinen Geschmack ist „Tonspuren“ unübetroffen – dennoch ist „Sieben Seiten der Wahrheit“ aus so vielen Gründen ein sensationelles Werk. Vielschichtig und intelligent.

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